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Professionelle Handlungskompetenz von Lehrkräften im Fach Physik

Nachwuchsmangel in den naturwissenschaftlichen Berufen, besonders aber auch im Bereich der Physiklehrer, stellt seit Jahren ein Problem dar, das auch in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Um die Attraktivität der Physiklehrerausbildung zu erhöhen, wird seit Jahren ein größeres Angebot an praxis- und berufsnahen Veranstaltungen von den Studierenden und Studienseminaren gewünscht. Aus diesem Grund entwickle und evaluiere ich gemeinsam mit Lehrern, Ausbildern der zweiten Phase und Vertretern des Amts für Lehrerbildung verschiedene Lehrangebote.

Drei Projekte wurden in den letzten Jahren auf den Weg gebracht:

Ausbildungswege des Physiklehrernachwuchses in Deutschland - Quereinsteiger in das Lehramt Physik

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„Quereinsteiger in das Lehramt Physik“ ist ein Projekt, das wegen eines dringenden aktuellen Handlungsbedarfs konzipiert wurde: Aufgrund von verschiedenen Möglichkeiten des Quereinstiegs in das Lehramt Physik an Haupt- und Realschulen (HRS) und Gymnasien sowohl in den Bereich der Ausbildung als auch direkt in den Beruf besteht die Gefahr, dass die universitäre Lehrerbildung im Fach Physik unterlaufen wird. Die Zugänge in die zweite Phase der Lehrerbildung oder sogar direkt in den Schuldienst über einen Quereinstieg sind aus Sicht vieler Studierender schneller, einfacher und flexibler und dadurch attraktiver als der klassische Weg über die Universität. Dadurch kann der Anspruch, nur Physiklehrer mit einer hochwertigen fachdidaktischen Ausbildung an Schulen unterrichten zu lassen, nicht mehr aufrechterhalten werden. Aus diesem Grund müssen in Kooperation der verschiedenen Phasen der Lehrerbildung längerfristige Konzepte entwickelt werden, um eine nachhaltige Stärkung der Physiklehrerausbildung an der Universität zu erreichen.

Das Ziel der Studie ist, für drei Bereiche der Lehrerbildung im Fach Physik Empfehlungen zu erarbeiten:

  • Für die Reflexion der Wirksamkeit von Ausbildungsinhalten und - methoden der ersten Phase.
  • Für die Konzeption von Unterstützungsangeboten für Quereinsteiger.
  • Für die Weiterentwicklung der praktizierten Eignungsdiagnostik für das Referendariat.

Um diese Ziele zu erreichen, wird die professionelle Handlungskompetenz von Quereinsteigern und Absolventen der ersten Phase der Lehrerausbildung sowohl aus dem Gymnasial- als auch dem HRS-Bereich zu Beginn des Referendariats untersucht.

Unsere Studie widmet sich der Frage, inwiefern sich Quereinsteiger von Absolventen des Lehramtsstudiums in Hinblick auf verschiedene Komponenten der professionellen Handlungskompetenz, wie den Merkmalen „Professionswissen“; „Überzeugungen in Bezug auf Physikunterricht“, „Selbstregulative Fähigkeiten“, „Berufsbiografie und Motive für die Berufswahl“, unterscheiden. Diese Daten sollen Hinweise auf die Bedeutung der ersten Phase für die Entwicklung von professioneller Handlungskompetenz bei angehenden Lehrerinnen und Lehrern liefern.

Das Design der Studie besteht aus vier Bausteinen:

  1. Bundesweite Erhebung der Rahmenbedingung für Quereinstiege.
  2. Erstellung von Anforderungsprofilen für den Einstieg ins Referendariat für den HRS- und den Gymnasialbereich.
  3. Befragung von Quereinsteigern und Lehramtsstudierenden mit Hilfe von Fragebögen.
  4. Qualitative Interviews und Videotests zur Erhebung des Professionswissens

Ergebnisse dieser Untersuchung sind vergleichende Daten bzgl. des Fachwissens, des fachdidaktischen und pädagogischen Wissens von Quereinsteigern und Lehramtstudierenden zu Beginn des Referendariats, die auf alle drei oben genannten Zielbereiche anwendbar sind.

Das Projekt startete im Frühjahr 2007 mit den ersten beiden Bausteinen - der Erstellung eines Anforderungsprofils für die Schnittstelle zwischen erster und zweiter Phase der Physiklehrerausbildung und einer deutschlandweiten Befragung der Kultusministerien zur Bedeutung von Quereinstiegen im Fach Physik. Die Befragung der ersten Stichprobe Lehramtsstudierender und Quereinsteiger mit Hilfe von Fragebögen beginnt am 1. Dezember 2008 in den Studienseminaren in Hamburg und Niedersachsen. Die Erhebung des Professionswissens mit Videotests soll Mitte 2009 durchgeführt werden.

Förderung: Der Vorstand der Deutschen Physikalischen Gesellschaft hat im Juni 2007 entschieden, dieses Forschungsprojekt als Projekt der DPG zu fördern und logistisch zu unterstützen.

 

Schulpraktische Studien für Studierende und Schulen gewinnbringender gestalten

Das Projekt „Schulpraktische Studien für Studierende und Schulen gewinnbringender gestalten“ bietet den Studierenden die Möglichkeit, zusätzlich zu der obligatorischen Vorbereitung der Schulpraktischen Studien, in einer zusätzlichen Veranstaltung bereits im Vorfeld ihres Schulpraktikums in Gruppenarbeit Unterrichtseinheiten zu entwickeln und dann im Unterricht zu erproben. Dazu wurden Schulen gefunden, die jedes Jahr bereit sind, ein Themengebiet des Physikunterrichts in je zwei bis drei Parallelklassen für die Studierenden zu reservieren (z.B. die Einführung in die Optik in Jahrgangsstufe 7). Damit neben den Studierenden auch die Schulen von diesem Projekt profitieren, können die Kontaktlehrer der Schulen ihre speziellen Wünsche bezüglich des zu planenden Unterrichts - z.B. Schülerexperimente - äußern. Die Praktika finden in Ausbildungsschulen statt, so dass die Studierenden von Fachleitern beraten werden, ihre Kontakte mit Lehrern im Vorbereitungsdienst (LiV) festigen und an den Studienseminaren teilnehmen können.

Für die Studierenden stellt die eigenständige Unterrichtsplanung und -durchführung ein sehr komplexes Unterfangen dar. Die Konzeption und Evaluation eines Portfolios zur instruktionalen Unterstützung sind für dieses Projekt von zentraler Bedeutung. Im Portfolio dokumentiert jede/r Studierende den gesamten Projektverlauf, es dient der Strukturierung des problemorientierten Arbeitens, der Reflexion des eigenen Lernfortschritts und der Unterstützung der Kommunikation aller Beteiligten. Zusätzlich ist das Portfolio Grundlage für Gruppen- und Einzelberatung durch die Dozenten.

Die Evaluation des Projekts erfolgt durch Fragebögen und Interviews zu verschiedenen Zeitpunkten und durch die Auswertung der Portfolios. Im Zentrum steht die Frage, welchen Einfluss diese problemorientierte Lernumgebung auf die Fähigkeit des selbst gesteuerten Lernens, auf die Kooperationskompetenz und auf die Entwicklung berufsspezifischer Interessen der Studierenden hat und ob mit Hilfe des Portfolios eine Balance zwischen Instruktion und Selbststeuerung gelingen kann.

Das Projekt ist Teil der Kooperation „Portfolio in der Lehrerbildung“ zwischen Vertretern verschiedener Fachdidaktiken, dem Institut für Pädagogische Psychologie und dem Zentrum für Lehrerbildung der Goethe-Universität. Die Ergebnisse der Kooperation wurden in einem gemeinsamen Buchprojekt veröffentlicht:

  • Imhof M.(Hrsg.), Portfolio und reflexives Schreiben in der Lehramtsausbildung, Tönning: Der Andere Verlag, 2007, 61-98.

 

Unterrichtsversuche mit Videofeedback

Ebenfalls zum Bereich „selbstgesteuert - kooperatives Lernen in der Physiklehrerausbildung“ gehört das zweite Projekt mit dem Titel „Unterrichtsversuche mit Videofeedback“, das im Sommersemester 2005 gemeinsam mit dem Studienseminar Oberursel konzipiert, erprobt und evaluiert wurde. Durch das Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis dient es der Professionalisierung der zukünftigen Lehrer. An diesem Projekt können sowohl Studierende für das Lehramt an Haupt- und Realschulen und für Gymnasien, als auch Lehrer im Vorbereitungsdienst (LiV) teilnehmen. Die Teilnehmer entwickeln kurze Unterrichtssequenzen eigenständig, diskutieren sie in Gruppen und unterrichten sie in verschiedenen Klassen. Die Unterrichtssequenzen werden videografiert und ausgewertet. Im Zentrum dieses Projekts steht das Training didaktisch-methodischer Reflexion anhand eigener Fallstudien, dazu gehört sowohl die Selbstreflexion als auch die kollegiale Beratung durch Kommilitonen und LiVs. Weitere Ziele sind, wie für das oben beschriebene Projekt, die Evaluation pädagogischer Handlungsmuster in realen, authentischen Unterrichtssituationen, das Training professionellen Arbeitens im Team, die selbstverantwortliche Entwicklung der Lehrerpersönlichkeit. Besonderheiten dieses Projekts sind das durch kurze Unterrichtssequenzen komplexitätsreduzierte Unterrichten und das Einüben des Einsatzes multimedialer Technik zu Videofeedback. Das Projekt wird mit Fragebögen evaluiert.

Förderung: Die  Auswertung der beiden obigen Projekte wurde vom Präsidium der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main im Rahmen des "Sonderprogramms Lehre" unterstützt.

 

Nichtlineare Dynamik

Die nichtlineare Dynamik ist ein weiterer Schwerpunkt meines Forschungsinteresses. Meine Dissertation hatte zum Ziel, diese aktuelle und in verschiedenen Fachdisziplinen diskutierte Theorie für den Unterricht zu elementarisieren. Die Dissertation wurde 1999 mit dem „Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses“ der Gesellschaft für Didaktik der Chemie und Physik (GDCP) ausgezeichnet.

Neben der Entwicklung von Unterrichtskonzepten beschäftige ich mich aktuell mit der Frage, wie die in der Fachdidaktik entwickelten Konzepte die Schüler/innen erreichen können. Denn obwohl die nichtlineare Dynamik in einigen aktuellen Lehrplänen und Schulbüchern aufgenommen wurde, hält sie in die Schulen kaum Einzug. Dies ist ein Problem, das nahezu alle Themen der modernen Physik betrifft, aber durchaus exemplarisch anhand der nichtlinearen Dynamik untersucht (und evtl. gelöst) werden kann. Deshalb biete ich Veranstaltungen an, in denen Studierende Unterrichtsmaterialien zur nichtlinearen Dynamik entwickeln. Durch eine enge Kooperation mit Studienseminaren sollen die Materialen gemeinsam von Studierenden und Referendaren in Schulen erprobt werden. Diese Vorgehensweise hat u.a. das Ziel, die beiden Phasen der Lehrerausbildung zu vernetzen und Referendare als Multiplikatoren für neue physikdidaktische Konzepte zu nutzen.

 

geändert am 20. April 2011  E-Mail: Webmasterlamprecht@physik.uni-frankfurt.de

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Druckversion: 20. April 2011, 11:09
http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb13/physikdidaktik/Mitarbeiter/Dr__Friederike_Korneck/Forschung/index.html